Dienstag, 8. August 2017

überraschend


Neugier liegt in der Natur des Menschen. Sie bringt uns voran. Lässt uns an die Zukunft denken. Lässt uns träumen, wenn ein Wunder unter dem Herzen wächst. Wir stellen uns vor, wie unser Kind wohl aussehen wird. Fantasieren vom zukünftigen Familienleben. Fragen uns, welche unserer Leidenschaften es wohl teilen wird und hoffen, dass es nicht auf die schiefe Bahn gerät. 

Doch über allem prangt: Hauptsache gesund. Alles andere erscheint zweitrangig. Das ist der Zeitgeist. Gesund * Vital * Optimal - Nur dann steht einem die Welt offen. Oder? 

Was passiert, wenn wir uns von unseren Traumvorstellungen verabschieden müssen? Frühzeitig und nicht erst, wenn das Kind kein Abitur macht. Was passiert, wenn wir Kontrolle abgeben müssen, weil wir keine Mediziner sind, weil wir es nicht besser wissen? 

Seit der Schwangerschaft mit Krümelie ist es so, dass Kontrollen angesetzt werden, weil etwas sein könnte, und weil wir nicht leichtsinnig sein wollen, lassen wir kritisch schauen... beim Zahnarzt, beim SPZ, bei den U-Untersuchungen, beim Endokrinologen, beim Augenarzt, beim HNO-Arzt und schlussendlich habe ich den Kardiologen auch noch im Hinterkopf. 

Es nennt sich Vorsicht und Früherkennung und wir wollen nur das Beste und machen Termine. Manche davon sind Teil einer gängigen Praxis für alle Kinder. Ich weiß das. Doch die Summe nervt mich.
Es füttert meine natürliche Angst. Wie könnte ich mir keine Sorgen machen bei all der Kontrollwut?! Es ist ein ganzes Stück Arbeit den Glauben an "das kompetente Kind" nicht zu verlieren.

Momentan bringt mich zwar die Tatsache, dass der Sohnemann ein Linkshänder ist, mehr zum Grübeln als der fehlerhafte Chromosomensatz seiner Schwester. 
Linkshändler - heute doch kein Problem (mehr). Genau. Genauso wenig wie das Ullrich-Turner-Syndrom. Oder? 

Wie beeinflusst das UTS die kindliche Entwicklung? Eine Frage, die unter den Nägeln brennt. Viel geklickt hier und immer wieder bei den Suchanfragen. Sind wir doch auf Optimierung und Prozessverbesserung ausgerichtet? Na und? Mich wundert es nicht. Und ich kann die Neugier verstehen. 

Ich sag euch, was passieren kann... 

Je weniger Kontrolltermine wir hatten, desto entspannter und vertrauensvoller war ich. Bin ich. Ich möchte meinen Kindern Werte, die mir am Herzen liegen, vermitteln, möchte Vorbild sein und habe die Vorstellung, dass sie vorurteilsbewusste und denkende Erwachsene werden. Doch vor allem möchte ich Vertrauen haben in sie. 

Wenn ich Inne halte, kann ich mir bewusst machen, wie megamäßig toll, wunderbar und großartig meine Kinder sind. Meine Tochter kann eine Rolle einnehmen und hartnäckig darin verharren, ihren Bruder animieren und die wildesten Geschichten erzählen. Mein Sohn springt furchtlos bei jeglichen Gelegenheiten, aus Höhen, die mich den Atem anhalten lassen. Die Kinder können auf dem Bett hüpfen. Es bei einem "Nein" trotzdem tun und dann mit "Aber" antworten. Sie können miteinander spielen, zeigen uns Geschwisterplüsch deluxe und streiten wie die Kesselflicker. 

Und plötzlich kann ich gestärkt der Entwicklungskontrolle gegenüber sein. Ich weiß nämlich, dass meine Kinder perfekt und Könner sind. Überraschend? 

Ich hätte mir in meinen wildesten Träumen nicht vorstellen können, wie es heute ist, wie sehr ich meine Zwei liebe. 

Anne 

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