Freitag, 14. Juli 2017

gelebte Inklusion am Beispiel einer Eltern-Kind-Gruppe

Schöne Theorie, aber in der Praxis hapert es. Ein gängiges Problem. Bei Inklusion auch?! 

Ich möchte Erfahrungen sammeln, möchte weniger Theorie, mehr Praxisbeispiele. Also sprach ich beim letzten "Salon für inklusiven DialogAndrea an und erzählte ihr von meinem Wunsch nach wirklichem Erleben. Im Flyer vom Verein "Eltern beraten Eltern" hatte ich bei der ersten Veranstaltung von der Eltern-Kind-Gruppe gelesen. Und bei dieser wollte ich gerne dabei sein. 
Mit meinen beiden Kindern war ich beim Pekip und diversen offenen Angeboten, die soziale Kontakte und Spiel- sowie Bewegungsanregungen für das Kind ermöglichten. Ich habe das immer als Bereicherung erlebt. Muss man aber auch mögen. 


Begegnung und spielende Kinder 

Donnerstags in Berlin-Steglitz können sich Eltern und Kinder mit und ohne Behinderung oder Entwicklungsverzögerungen treffen. Von 11:30 Uhr an können Kinder ab dem ersten Geburtstag den Sportraum im Familienzentrum JeverNeuen einnehmen. Anschließend ab 12:45 Uhr wird es ruhiger. Jüngere Kinder kommen. 


Gerahmt wird das offene Angebot von einer Begrüßungs- und einer Abschiedsrunde, dabei sind das Besondere die wiederkehrenden Lieder, die von Gebärden begleitet werden. Dazwischen gibt es Raum für Gespräche, für Fragen und Austausch. Ich sah stillende Mütter, sabbernde Kinder, Kontaktaufnahmen, bei denen Finger in anderen Mündern landeten, an Haaren gezogen wurde und einfach offenes aufeinander zugehen. Es gab Spielzeug und Bewegungsbaustellen. Ein Mädchen fand die Steckdose spannend. Ein Junge brachte seiner Mama einen Schuhe. Nicht seinen. Ich sah Kinder, die mutig waren, und dann weinten, weil sie sich soweit weg von Mama getraut hatten. Ich registrierte süße Grübchen, Normabweichungen, geschickte Kinder, die Verrenkungen machten, von denen ich nur träumen kann. Ich unterhielt mich über Wohnungssuche und über das Leben mit Kindern. Ein Junge interessierte sich für meine Tasche. Eine Nachziehauto wurde auf seine Fähigkeiten untersucht. Es krachte, wenn es eine Matratze, die über einer Bank an eine Rutsche erinnerte, herunter purzelte. Ich stellte fest: Ein Mann und viele Frauen - auch das ein gängiger Spiegel unserer Gesellschaft.  


Andrea hatte mir im Vorfeld erklärt, dass dieses Eltern-Kind-Angebot total unspektakulär wäre. Und sie hatte Recht, aber auf die beste Art, die es gibt. Unspektakulär erlebbare Inklusion mit Selbstverständlichkeit.  

Anregungen (z.B. das Gesprächspartnerwechseln in der offenen Runde) und Informationen (z.B.Während der kalten Jahreszeit, wenn es draußen ungemütlich ist, ist das Angebot höher frequentiert.) habe ich mitgenommen für meine Praxis und dieses Gefühl, dass ich willkommen war. Ich habe eine offene Gruppe mit Herzlichkeit erlebt. Neben Andrea vom Verein "Eltern beraten Eltern" gestaltet auch Gaby (Physiotherapeutin) das Miteinander dort und beide können bei Bedarf beratend aktiv werden oder andere Unterstützung wie Sprachmittler ermöglichen. Im Familienzentrum kann das Elterncafé genutzt werden und auch dieses Haus ist offen für Ideen. 

Theorie und Praxis geht doch zusammen und die Erkenntnis schlechthin: Alles steht und fällt mit den Menschen. 

Ich bin dankbar, dass ich da sein durfte. 

Anne

1 Kommentar:

  1. Es ist schön, dass es solche Orte gibt. Es sollte mehr davon geben. Ich finde jeder Mensch sollte in der Gesellschaf. zwar als eigenständiges Individuum, aber dennoch gleichwertig wie jeder andere, behandelt werden.

    M withan E

    AntwortenLöschen