Samstag, 30. April 2016

Über Erziehung und Geben und Nehmen

Wenn ein Baby geboren wird, wird ein Baby geboren. Kein leeres Gefäß. Kein Roboter. Keine Kopie eines anderen Menschen. Vielmehr erblickt da ein wunderbares Individuum das Licht der Welt. Unschuldig. Mit viel Wissen und einer Menge Potenzial. 

Meine Einstellung zum kindlichen Sein fließt in meine/ unsere Erziehung ein. Der Umgang mit meinen/unseren Kindern ist von Liebe und Wertschätzung geprägt. Nein, natürlich nicht alles gestaltet sich harmonisch, ich bin nicht immer geduldig und verständnisvoll und schon gar nicht läuft unser Zusammenleben ohne Konflikte ab. 
Doch ich bin ohne Gleiches dankbar dafür, dass mein Tochter geboren wurde - was mit dem Ullrich-Turner-Syndrom ganz und gar nicht selbstverständlich ist. Ebenso bin ich glücklich, dass mein Sohn da ist. Was soll ich schreiben... unsere Kinder sind wunderbar. 

Und ich sorge mich - um sie, ihre Zukunft, um die Welt, in der wir leben. Ich überlege. Was will ich ... was müssen wir unseren Kindern mit auf den Weg geben? Wie können sie sich entfalten? Wie kann ich sie doch ein bisschen in Watte packen? Wie dazu bei tragen, dass sie auf sich und ihr Bauchgefühl vertrauen?

Meine Tochter kommt langsam in ein Alter, in dem sich ihr die Welt eröffnet. Die Umwelt wird präsenter, ihr Spielraum größer. Gleichzeitig existiert die deutliche Trennungen zwischen Fantasie und Wirklichkeit, "Gut und Böse", der Weitblick und die Abschätzung von Folgen noch nicht. Wir sind nicht immer um sie. Sie darf auf dem Spielplatz auch einmal aus meinem Blickfeld verschwinden, sich in einem gewissen Rahmen bewegen und im Gebüsch sitzen und kichern. Sie ist mit dem Warum-Zeitalter auch soweit, dass sprachliche Erklärung gefordert werden, die mittlerweile abstrakter werden können. 

Und da fangen sie an die "großen" Erziehungsaufgaben. 

Momentan beschäftigt uns eben der Umgang mit Fremden und die Annahme von Geschenken. 

Ich schrieb hier über "Von Fremden wird nix genommen!". Darunter kommentierte die liebe Katrin. Ich hole ihre Gedanken von dort hier her. 
Hallo Anne,

ein schwieriges Thema. Ich grübel auch seit einigen Jahren sporadisch immer mal wieder darüber nach. Und es wird nicht einfacher, und ich finde auch keine wirklich abschließende Position dazu. 
Zunächst finde ich es problematisch, die Schubladen "Fremd" und "Nicht-Fremd" zu öffnen und dann noch mit den Kategorien "gut" und "böse" zu belegen. Es impliziert Verallgemeinerung, Intoleranz und Vorurteile und ist eigentlich auch schlichtweg falsch. Nicht jeder Fremde hat böse Absichten (eigentlich auch ein sehr angsteinflößendes Weltbild) und leider hat auch nicht jeder "Nicht-Fremde" gute Absichten. Im Gegenteil, die meisten Übergriffe erfolgen leider!!! von "Nicht-Fremden". Und obendrein sind die Grenzen zwischen "Fremd" und "Nicht-Fremd" verwaschen. Gerade Kindern fällt diese Unterscheidung extrem schwer. Was ist mit der Wurstfrau, die man regelmäßig beim Einkaufen sieht, was mit dem Hausmeister, der von den Eltern sogar in die Wohnung gelassen wird, wenn Reparaturen anfallen, was ist mit den Eltern von Kita-Freunden, was mit Spielplatzbekanntschaften, und was ist [wenn wir jetzt mal vom "Nichts-von-Fremden-nehmen" auf das "Nicht-mit-Fremden-mitgehen" schwenken] verkleideten Polizisten, Feuerwehrmännern, Superhelden, Clowns etc.??? Sind sie "Fremde" oder "Nicht-Fremde"? Unsere Kinder kennen sie doch. Vielleicht ist ja dort jemand dabei, der weitaus schlimmere Absichten als eine "Fremde" in der Tram hat? Wollen wir als Eltern hier überall Misstrauen säen? Aber andererseits wollen wir unsere Kinder natürlich vor allen möglichen Gefahren schützen. Aber wir wollen doch nicht eigentlich vor Fremden schützen, sondern vor Menschen mit bösen Absichten. Und umgekehrt sollten wir auch vor "Nicht-Fremden" schützen, die böse Absichten haben könnten; aber in einer Warnung vor Fremden nicht inbegriffen sind. Und woher ziehen wir als Eltern eigentlich unsere Informationen, dass ein Bonbon von dem einen okay und von dem anderen nicht okay ist? Ich denke, es ist meist das Gefühl des Vertrauens oder Nicht-Vertrauens in die andere Person. Und genau darin bestärke ich meine Kinder. Sie sollen auf ihr Bauchgefühl hören (welches ja bei Kindern sogar noch ausgeprägter sein soll als bei uns Erwachsenen). Sobald sie ein "komisches" Gefühl haben, sollen sie "Nein" sagen. Ich definiere dieses "komische" Gefühl auch nicht näher, da ich es eh nicht genau beschreiben kann und es auch nicht in eine bestimmte Richtung lenken und dadurch einschränken möchte. Sie müssen es auch nicht erklären oder sich rechtfertigen, wenn sie etwas aus diesem Gefühl heraus ablehnen; und erst recht nicht, wenn es sich um ihren Köper bzw. Körpernahbereich handelt. 
Hierbei ecken mein Sohnemann und ich [die Große ist aus diesem Alter schon heraus] manchmal an, weil er beispielsweise zur Begrüßung nicht seine Hand geben muss, wenn er es nicht will, oder ich ihn z.B. auch nicht gegen seinen Willen in der Öffentlichkeit umziehe. Da kann die Hose noch so dreckig sein, seine körperliche Selbstbestimmung geht in diesen Beispielen vor. Sie sollen über ihren Körper bestimmen, über die Grenze und den Abstand, den sie zwischen sich und anderen ziehen. Sie sollen lernen, dass sie einerseits Vertrauen zu anderen haben können, aber andererseits auch energisch "Nein" sagen, wenn dieses Vertrauen nicht da ist (sondern ein komisches Gefühl), und zwar ohne "wenn" und "aber" und auch egal, ob "Fremd" oder "Nicht-Fremd". Und somit dürfen meine Kinder auch selbst bestimmen, wessen Bonbon sie in sich hineinstopfen, oder ob sie doch lieber "Nein danke" sagen (und ja, das können auch schon Dreijährige trotz Anblick von Süßigkeiten;)). Aber es gibt bei uns eine Regel im Zusammenhang mit dem "Nicht-mit-Fremden mitgehen", allerdings ist es entkoppelt von "Fremd" oder "Nicht-Fremd", d.h. meine Kinder (also die Große entscheidet auch das schon selbst) dürfen außer mit Mama/Papa/Oma nur mit jemandem mitgehen, wenn es vorher mit Mama/Papa so abgesprochen ist und zwar egal, ob "Fremd" oder nicht. Ich glaube, das ist für mich bzw. uns der beste Weg. Auch wenn ich manchen Bonbon ablehnen würde, den mein Kind gern annimmt. Dann ist es wie auf dem Spielplatz, wenn die höchste Rutsche bestiegen werden muss, und ich als Mutter mit Herzrasen untenstehe und mir immer wieder gut zurede: wird schon alles gutgehen; Kinder klettern nur soweit, wie sie es tatsächlich schon können ...). Das Gefühl ist ähnlich und es ist wirklich nicht immer einfach. Aber Kinder können nur lernen, wenn sie sich ausprobieren dürfen, wenn wir sie loslassen (so schwer es auch für uns ist). Wir können ihnen nicht alles vorebnen, den Weg mit Ge- und Verboten glätten; aber wir können sie bestärken und das Rüstzeug mitgeben. Wir werden nicht alles von ihnen abwenden können, denn sie gehen ihre eigenen Wege - ohne dass wir beständig bei ihnen sind. Was ist dann mit Halloween, wenn sie mit all ihren anderen Freunden um die Häuser ziehen wollen, um Bonbons von Fremden einzusammeln (noch fahre ich hier beim Dreijährigen die Vermeidungsstrategie, wohlwissend, dass das bald nicht mehr funktionieren wird), was ist mit Erziehern/Lehrern/Trainern im Sportverein, denen wir unsere Kinder anvertrauen (und dann selbst nicht mehr dabei sind), was ist, wenn ... Es bleibt nur: auf unsere Kinder zu vertrauen und zu hoffen, dass sie für sich die richtige Entscheidung treffen, und sich trauen "Nein" zu sagen, wenn sie das möchten. Darin sollten wir sie bestärken. Es ist und bleibt schwierig... 
Liebe Grüße von Katrin von boah-constrickter
Es ist und bleibt schwierig. Es ist ein schmaler Grad - besonders in der Großstadt. Vielen Dank, dass du deine Überlegungen mit uns geteilt hast. 

Wenn es um "Elternthemen" geht, prädigen viele, dass wir auf unser Bauchgefühl hören sollen. Wir sollten Kinder auch ihrem Instinkt vertrauen lassen. Ich habe viel Vertrauen in meine Kinder. Aber manchmal nicht in die Welt. Und alles ist nicht nur Intuition, sondern manches eben Vorbild und Erziehung. 

Vielleicht sollten wir auch öfter "Nein sagen", wenn uns ein scheinbar tolles Angebot (Nimm 3, Zahl 2) in Rot vergessen lässt, dass wir eine Sache gar nicht brauchen. Wenn ich ein bisschen mehr nehme, bin ich glücklicher. Wirklich? Vielleicht stört mich das ständige Nehmen? Vielleicht sind mir manchmal auch nur zu viele fremde Menschen "dabei"? 

Erziehung von "an der roten Ampel wird stehen geblieben" bis "das ist Gut oder Böse" passiert ja zum Glück nicht nur an einem Tag und zum Glück gehört da mehr als nur eine Erfahrung dazu. 

(Meine/ unsere) Erziehung basiert auf der fröbelschen Weisheit und wir werden uns das wohl zum Herzen nehmen: 

"Erziehung ist Beispiel und Liebe – sonst nichts." 

Friedrich Fröbel

Die verflixte Linkparty im April von Wiebke (Blog: Verflixter Alltag) beschäftigt(e) sich auch mit dem Thema "Erziehung". 

Wie ist eure Meinung? 
Anne 

Freitag, 29. April 2016

Schwerbehindertenausweis beim Ullrich-Turner-Syndrom? - von der Beantragung und der Ambivalenz zwischen Hilfe und Stigma

Die Gretchenfrage, ob das UTS eine Behinderung ist oder nicht, führt LeserInnen zu mir auf den Blog, beschäftigt(e) mich selbst und lässt sich nicht verallgemeinert beantworten. Feststeht, dass das Ullrich-Turner-Syndrom Auswirkungen auf den Körper und damit auf die Lebensqualität haben kann. Das heißt nicht, dass ein Leben mit UTS belastend, niederschmetternd oder qualvoll ist. Aber gesundheitliche Aspekte und manchmal eben Probleme müssen in besonderem Maße beachtet werden. 
Ganz klar das subjektive Empfinden und die eigene Definition von Behinderung beeinflussen dabei Entscheidungen. Durch Hänselein in jungen Jahren, Misserfolge, Misstrauen im Berufsleben oder gar Diskriminierung lassen viele Eltern von Mädchen mit UTS und Betroffene das Thema "Schwerbehindertenausweis" mit Vorsicht an sich heran oder lehnen es eben ab. 

WAS? WIE? WARUM? 

Das Wort "Schwerbehindertenausweis" ist eigentlich selbsterklärend. Es geht um einen Beweis bzw. eine Bescheinigung, die anerkannt festhält, in welchem (hohen) Ausmaß eine Einschränkung existiert. Für die Anerkennung einer (Schwer-)Behinderung und dann die Feststellung, in welchem Maße diese vorliegt, ist eine staatliche Einrichtung verantwortlich. 

Das heißt, bei einem Versorgungsamt oder einem Amt für Soziales, das variiert je nach Bundesland, muss ein Antrag gestellt werden. Hier bei "Familienratgeber.de" findet sich eine Übersicht. In der Regel lässt sich der Antrag beim zuständigen Amt herunterladen und kann dann ausgedruckt und ausgefüllt werden. In Kopie sollten sämtliche Papiere, Gutachten und Befunde beigelegt werden. Dann heißt es "Warten, bitte.". 
In der Regel erhält der/die AntragsstellerIn eine Eingangsbestätigung. Während der Wartezeit können sämtliche aufgelistete Ärzte und Stellen über die Beantragung informiert werden. Für eventuelle Rückfragen kann gleichzeitig eine Auskunftserlaubnis ausgesprochen werden. Wird der Antrag ohne Unterlagen gestellt, ist ein Termin beim Amtsarzt nötig. 
Das Ergebnis der Antragsbearbeitung wird via Schreiben mitgeteilt und sollte aufmerksam gelesen werden. Gegebenenfalls kann Einspruch eingelegt werden. 

Während dieses Vorgangs wird der Grad der Behinderung bestimmt. Eine tolle Erläuterung dazu stammt vom "Sozialverband VdK Deutschland":  
Ab einem festgestellten Grad von 50 wird von Schwerbehinderung gesprochen und ein Ausweis wird ausgestellt. Je nach Sachlage und Heilungschancen gilt der Ausweis für 2 bis 3 Jahre (besonders auch bei Kindern) oder unbefristet. Wird ein Ausweis ausgestellt gilt dieser in der Regel ab dem Tag der Antragsstellung, also rückwirkend.  
Beim "beta Institut" kann diese Übersicht über die Nachteilsausgleiche heruntergeladen werden. 
Der Ausweis dient als Legitimation, dass Menschen aufgrund ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes staatliche und gesellschaftliche Unterstützung erhalten. Weiterführende Erklärungen und Definitionen finden sich HIER


Mein Rat

Wenn ihr euch für die Beantragung entschieden habt, sucht euch einen starken Partner. In vielen Orten gibt es Vereine oder Anlaufstellen, die beraten und helfen. Welches Symptom macht die meisten Beschwerden? Ist es zum Beispiel das Hören? Dann würde ich mich an den Schwerhörigenbund wenden. Bei Kinder würde ich im SPZ nachfragen. Die dort arbeitenden SozialarbeiterInnen helfen bei der Beantragung. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen ist aufschluss- und hilfreich. 

Manchmal kommt es nur auf die Formulierung an, sodass in Verbindung gebrachte bzw. ins Verhältnis gesetzte Symptome eine andere Bewertung erfahren. 

Anmerkung zu Pflegestufen und der deutschen Bürokratie:

Im Zusammenhang mit dem Thema "Schwerbehindertenausweis" geht es oft auch um Pflegestufen und deren Beantragung. Dazu kann ich keine weiteren Auskünfte geben. Mir fehlt einfach der Bezug. Auf dem inklusiven Blog "Kaiserinnenreich" wird in der Kategorie "Empfehlungen" die Pflegefibel verlinkt. In den Ausführungen geht es um die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit von Kindern. Vielleicht hilft das ein Stück weiter und vielleicht mag jemand seine Erfahrungen hier teilen

Sehr hilfreich als Ausgangspunkt ist die Übersicht "Anträge, Formulare und der allg. Papierkrieg" von "DAS GANZ NORMALE LEBEN".



Wie wird das UTS eingestuft? Welchen Grad erhalten Mädchen/Frauen mit UTS? 

Die allgemeine Feststellung und Einschätzung von Funktionsbeeinträchtigungen folgt "Versorgungsmedizinnischen Grundsätzen". Die Verordnung dazu vom Dezember 2008 findet sich HIER bei "Gesetze im Netz". 

Wie die genauen internen Abläufe vonstattengehen, weiß ich nicht. Für die Beurteilung der Unterlagen oder für die Einschätzung eines Menschen bei einem Termin wird ein Amtsarzt zu Rate gezogen. Ich schätze, dass der Meinung des Amtsarztes Vertrauen geschenkt und diese übernommen wird von den BearbeiterInnen. Das bedeutet, dass Bewertungen memschliche Ermessens- und auch Wissenssache sind. 

Von meiner Überzeugung her würde ich allein der Tatsache, dass die Chromosomenanomalie vorliegt, keinen bis geringen Einfluss auf den Gesamt-GdB zusprechen. Die Betonung liegt bei "Ich".  

Exemplarisch habe ich im Berliner LaGeSo, dem Landesamt für Gesundheit und Soziales, nachgefragt, wie eben das UTS eingestuft wird und folgende Antwort (ich darf sie in eigenen Worten wiedergeben) erhalten: 
Der ärztliche Dienst prüft die vorliegenden Unterlagen und entscheidet dann. Entsprechend ihrer medizinischen Verordnung gilt in Berlin für das Ullrich-Turner-Syndrom ein GdB von 30 bis 40 bei sonstiger "guter" Gesundheit. Durch Beschwerden kann der Grad höher werden.  
Ich erkundigte mich nochmal und mir wurde bestätigt, dass die Bewertung ein wenig von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist. 

Daraufhin habe ich in den anderen 15 Bundesländern mit folgenden Worten nachgefragt: 
Und folgende Antworten, die ich veröffentlichen darf, erhalten: 
  • Versorgungsamt Hamburg

Anhand von Diagnosen kann kein Grad der Behinderung bestimmt werden. Gerade die möglichen Funktionseinschränkungen und resultierenden Folgen ergeben den Grad der Behinderung.

Unter dem folgenden Link finden Sie ein Erstfeststellungsantrag, den Sie zur Überprüfung Ihrer Gesundheitsstörung ausgefüllt an uns zurücksenden können.

  •  LASV Brandenburg

ein Ullrich-Turner-Syndrom an sich wird im Schwerbehindertenrecht nicht bewertet. Wie Sie schon selber beschrieben haben, werden nur die daraus resultierenden Einschränkungen einer Bewertung unterzogen.

Hier erhalten Sie einen Link, wie Sie an ein Antragsformular kommen.

Neben der Gegebenheit des Syndroms ist es wahrscheinlich, dass eine Beantragung in Betracht gezogen wird, weil andere Einschränkungen/Funktionsstörungen/Gesundheitsstörungen bzw. psychisches Leid das Leben erschweren. 

Das Syndrom selbst wird in der öffentlichen Verordnung nicht explizit erwähnt. Vielleicht schaue ich auch nur an der falschen Stelle. Zu einzelnen Symptomen wie Lymphödeme, Herzfehler, Nierenleiden oder Hautproblemen, die durch das UTS bedingt werden oder häufig damit auftreten, lassen sich Informationen finden. So zum Beispiel auch:     
* zum Kleinwuchs
" Körpergröße nach Abschluss des Wachstums     
über 130 bis 140 cm             Grad: 30-40   
über 120 bis 130 cm                Grad: 50  
Bei 120 cm und darunter kommen entsprechend höhere Werte in Betracht.Dieser GdS ist auf harmonischen Körperbau bezogen.    
Zusätzlich zu berücksichtigen sind (z. B. bei Achondroplasie, bei Osteogenesis imperfecta) mit dem Kleinwuchs verbundene Störungen wie:    mangelhafte Körperproportionen, Verbildungen der Gliedmaßen,    Störungen der Gelenkfunktion, Muskelfunktion und Statik,    neurologische Störungen, Einschränkungen der Sinnesorgane,    endokrine Ausfälle und außergewöhnliche psychoreaktive Störungen."
* zu unterentwickelten Eierstöcken
"Unterentwicklung, Verlust oder Ausfall beider Eierstöcke, ohne Kinderwunsch und ohne wesentliche Auswirkung aufden Hormonhaushalt - immer in der Postmenopause Grad 10 
 im jüngeren Lebensalter bei noch bestehendem Kinderwunsch oder bei unzureichender Ausgleichbarkeit des Hormonausfalls durch Substitution Grad 20-30  
 vor Abschluss der körperlichen Entwicklung je nach Ausgleichbarkeit des Hormonausfalls Grad 20-40  
Endokrin bedingte Funktionsstörungen der Eierstöcke sind gut behandelbar, so dass im Allgemeinen anhaltende Beeinträchtigungen nicht zu erwarten sind. Selten auftretende Komplikationen (z. B. Sterilität, abnormer Haarwuchs) sind gesondert zu beurteilen."
* oder chronischen Mittelohrentzündungen 
ohne Sekretion oder einseitige zeitweise Sekretion Grad 0 
einseitige andauernde Sekretion oder zeitweise beidseitige Sekretion Grad 10 
andauernd beidseitige Sekretion Grad 20 
Radikaloperationshöhle reizlos Grad 0 
bei unvollständiger Überhäutung und ständiger Sekretion 
einseitig Grad 10 beidseitig Grad 20

Welches Ergebnis eine Beantragung hat, hängt vom Einzellfall, vom Bundesland und wahrscheinlich auch vom Amtsarzt ab. Eine generelle Aussage über die Notwendigkeit eines Schwerbehindertenausweises beim UTS lässt sich nicht formulieren. Genauso wenig kann eine Vorhersage über den Ausgang einer Beantragung geäußert werden. 


Auf den Blickwinkel kommt es an! 

Jedes Bundesland hat einen eigenen Antrag für die Feststellung einer Behinderung. Schon allein diese Tatsache lässt vermuten, dass es Unterschiede im System gibt. 
Durch die Prüfung bzw. zusätzliche Einschätzung eines Amtsarztes existiert eine Variable, die auf dem Können eines Menschen beruht und gleichzeitig einen Unsicherheitsfaktor darstellt. Es kommt auf seine Sicht an und außerdem auf die Auslegung der versorgungsmedizinnischen Grundsätze der MitarbeiterInnen. 

Es kommt die Frage auf, warum es keine einheitliche Regelung gibt?!
Doch bei einem zu dogmatischen System würde nach Einzellfallbeurteilung geschrien werden. 
Also bei der Beantragung auf einen starken Partner setzen und gegebenenfalls Einspruch einlegen. 

Ein Schwerbehindertenausweis ist das Symbol für eine gesellschaftlich anerkannte Schwäche. Eine gereichte Hand in der Not, um das menschliche Elend einzudämmen. Es ist die offizielle Bitte nach Rücksichtnahme. Es ist das Zugeständnis, dass für Aufgaben/ Aktionen im öffentlichen Raum oder bei der Arbeit mehr Zeit gebraucht wird. Es ist ein Ausgleich von Nachteilen, die existieren im Vergleich zum Durchschnittsbürger. Der Besitzer/ die Besitzerin kommt in den Genuss von Vergünstigungen, steuerlichen Erleichterungen und je nach Schweregrad und Merkzeichen soll der Ausweis helfen, dass das tägliche Leben erleichtert wird und Existenzängste gemindert werden. 

Welche Nachteile bringt ein Ausweis? Welches Signal wird gesetzt? Welche Stigmata gehen mit einem Ausweis einher und übertragen sich auf seinen Besitzer? Eigentlich sollte doch niemand für den Besitz eines Ausweises Scham empfinden. Da kommen wir wieder an den Punkt der Gretchenfrage... was ist eine Behinderung und wie ist das subjektive Empfinden dazu? 


Wie sind eure Erfahrungen? Welche Vor- und Nachteile hat ein Schwerbehindertenausweis? 
Stempel und Stigma oder Hilfe und Entlastung? 

Montag, 25. April 2016

Kindergartengespräche

Was hast du heute im Kindergarten gemacht? 
Nix!
Hast du vielleicht gespielt? 
Weiß nicht. 
Was gab es zum Mittag? 
Essen.
Hast du geschlafen? 
Ja. / Nein.

Jetzt könnte der Eindruck entstehen, dass mich primitive Sachen interessieren und meine Tochter mit ihren fast 4 Jahren nichts zu sagen hätte, aber so ist das ganz und gar nicht. Krümelie erzählt viel. Sehr viel. Ich bin neugierig und stelle anscheinend nur die falschen Fragen. 

Hand aufs Herz - Wenn das Kind freudig im Kindergartentreiben verschwindet und wir Eltern 8 Stunden auf Arbeit gehen, fragen wir uns am Ende des Tages: Was ist in meiner Abwesenheit passiert? 

"Wie war dein Tag?" versteht mein Tochterkind zwar als Einladung zum Gespräch, welches ich gerne führe. Jedoch würde ich mich über "handfeste" und "erwachsenengerechte" Schilderungen freuen. 

Mich jedenfalls interessiert brennend, was meine Tochter so im Kindergarten erlebt. An manchen Tagen, wenn wir etwa verabredet sind oder ein Arzttermin ansteht, ist es auch wichtig für mich zu wissen, ob sie mittags geschlafen hat. Dann kann ich mich einstellen. Meist jedoch möchte ich einfach wissen, ob es ihr gut geht, sie Spaß hatte oder etwas geschafft hat während der Fremdbetreuung. 

Was mich beim Abholen dann tierisch nervt, sind wortkarge Erzieher*innen. Ist ab und zu eine Tagesanekdote wirklich zu viel verlangt? Klar finden sich im Gebäude Aushänge und ich kann allgemeine Aktionen nachlesen, aber ob meine Tochter dabei gelacht hat, können mir nur die Anwesenden sagen. 

Meist ist es doch so, dass Eltern beim Abholen von Erzieher*innen nur angesprochen werden, wenn sich die Kinder verletzt haben, einen Konflikt (wahlweise mit einem anderen Kind oder den Mitarbeitern) hatten oder aus Gründen neue Wechselwäsche brauchen. Manchmal geht es auch um Formalitäten. Ganz selten kam jemand auf mich zu, um mir von Erfolgserlebnissen oder vom Tagesgeschehen zu erzählen.

"Dann halt nachfragen" könnte als Einwand angebracht werden. Das Phänomen dabei ist. Die Erzieher*innen antworten dann genauso wie das Kind daheim. Maximal die Frage nach dem Essen und Schlafen wird ausführlicher erläutert. 

Nun sind Pädagogen auch nur Menschen. Es gibt stressige Tage und unpassende Momente. Ich verstehe das. Wirklich. Ich stehe auch auf der anderen Seite. 

Aber Auskünfte über nasse Wäsche oder Flecken sind für mich nicht relevant. Die Spucke und Zeit könnte gespart werden. Wieviel das Kind gegessen hat, ist mir auch Wurst. Mein Kind hat immer, wirklich immer, hunger, wenn wir das Gebäude verlassen. Ich will auch nicht jeden Tag hören, dass mein Kind Regeln nicht eingehalten hat oder eben anders "auffällig" geworden ist. Dann denke ich nämlich mein Kind ist ein "Störenfried" und wird als "blöd" wahrgenommen. Für "unangenehme" Gespräche ist auch immer Zeit. Komisch, oder? 


Probleme sollen angesprochen werden, keine Frage. 
Vielleicht ist es ein gesellschaftliches Ding oder eine Typsache, aber bitte nicht so viel Engagement bei Negativem, Schwächen und der Kommunikation darüber an den Tag legen. 

Stattdessen mehr freundliche Worte aussprechen und ungefragte und individuelle Auskünfte übers Tagesgeschehen geben, mehr Tür- und Angel-Kindergartengespräche führen! 

Dann frage ich auch beim nächsten Mal nach...

Oder sag nix und wünsche einen angenehmen Feierabend. 

Samstag, 23. April 2016

Blogger schenken Lesefreude 2016 - Verlosung

Es freut mich, dass ihr her gefunden habt. Macht ihr mit bei der Aktion "Blogger schenken Lesefreude"? Mögt ihr Bücher? 
Bücher sind toll: Wir können sie anfassen, wirklich in die Hand nehmen, durchblättern, hinstellen, anderen zeigen und einfach gern haben. Bücher halten ihre Worte fest, bewahren sie, tragen ihr Wissen mit Würde und ermöglichen uns einmalige Leseerlebnisse.
Erwähnte ich schon, dass Bücher toll sind.
Wie im letzten Jahr mache ich sehr gerne wieder mit bei: 
Im ersten Post dieses Tages könnt ihr eine von meiner Tochter und mir erdachte kurze Kindergeschichte - Die Geschichte von dem wunderbaren Mädchen Ela-Lina Pilz - lesen. 
Ich hoffe, wir bescheren damit dem ein oder anderen Kind bzw. der ein oder anderen Familie eine schöne (abendliche) Vorlesezeit. Es wäre mir eine Freude. 
Nun möchte ich euch aber auch als Bloggerin Lesefreude in Form eines Buches schenken. Es ist sogar noch ein bisschen mehr. 


Verlosung zum Welttag des Buches! 

Gewinn 1
An erster Stelle wäre da - Trommelwirbel - das wunderschöne "X-MAL ANDERS Ullrich-Turner-Syndrom! Ja, und?!"- Buch, was ihr gewinnen könnt. 
Einzelheiten zum Werk lest ihr hier: KLICK. Als Erfahrungsschatz und Herzensangelegenheit darf es an diesem Tag nicht fehlen. Wer mag, bekommt es auch mit Widmung von Krümelie. 

Gewinn 2
Ernährung und kindliche Essensvorlieben sind wahrscheinlich in jeder Familie ein Thema. Ihr könnt daher das Buch "Ketchupmonster und Erbsenpicker" gewinnen. Es umfasst Informationen, praktische Tipps und Tricks und Lieblingsrezepte. 
Gewinn 3
Als drittes Buch könnt ihr "Veggie-Baby" gewinnen. In diesem Buch findet ihr Anregungen für die Mahlzeiten von Babys und Kleinkinder. Es ist auch etwas für "Nicht-Veggies". Ganz ehrlich, die Kinder und ich essen auch Fleisch, aber als Püree sieht das doch echt unappetitlich aus. Alternativen sind da sehr willkommen. 

Gewinn 4
Für die ersten Feiertage von Blog&Buch hatte Edda extra etwas genäht. Leider wurde es nicht verlost. Daher habt ihr jetzt die Möglichkeit auf diesen Gewinn. Kleine Malheftchen, Stifte oder zum Beispiel Pixi-Büchlein für unterwegs kann jedes Kind gut gebrauchen. Doch wohin damit? Genau, in eine wunderschöne Hülle. Und habt ihr die Pilze gesehen? Sie passen prima zur Geschichte von Ela-Lina Pilz. 
Ist für euch etwas dabei? Könnte ich euch damit Lesefreude schenken? Ja? 


Um in den Lostopf zu kommen, hinterlasst hier unter dem Blogpost und/oder bei Facebook unter dem entsprechenden Post ein Kommentar und schreibt mir in einem ganzen Satz, was ihr gewinnen mögt. 
Über liebe Worte und ein Feedback zu unserer Kindergeschichte würde ich mich sehr freuen. 


Das Kleingedruckte aka weitere Teilnahmebedingungen: 
* Die Gewinne sind, wie im Artikel dargestellt, und stammen aus meinem privaten Besitz und werden im Falle des Gewinns auf meine Kosten innerhalb von Deutschland verschickt. Versand außerhalb von Deutschland ist möglich, wenn die Versandkosten selbst getragen werden.
* Das Gewinnspiel startet heute am 23. April 2016 und endet am 30. April 2016 um 23:59 Uhr. 
* Die Teilnahme ist sowohl hier auf dem Blog als auch bei Facebook möglich. Es besteht  somit die doppelte Gewinnchance. Jeder Teilnehmer kann mit 2 Losen in den Lostopf, wenn die Bedingungen erfüllt wurden. 
* Meine Tochter wird zeitnah als Glücksfee in Aktion treten und den Gewinner/die Gewinnerin auslosen.
* Mit eurer Teilnahme willigt Ihr ein, dass ich euch im Falle des Gewinns hier auf meinem Blog als Gewinner/-in nenne und euch kontaktiere. Eine Kontaktaufnahme beim anonymen Kommentar ist nur möglich, wenn eine freiwillige Kontaktmöglichkeit (z.B. E-Mail Adresse) angegeben wurde. Ansonsten schaut auf jeden Fall nochmal vorbei. Nach drei Tagen wird neu ausgelost. 
* Es erfolgt keine Barauszahlung des Gewinns und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
* Die Teilnahme ist nur für reale Personen mit einer Adresse in Deutschland und erst ab 18 Jahren möglich.  
* Datenschutzhinweis: Ich weise darauf hin, dass sämtliche personenbezogenen Daten des Teilnehmers Dritten nicht zugänglich gemacht werden.
* Das Gewinnspiel steht in keinem Zusammenhang mit Facebook. Veranstalter ist der Blog X-MAL ANDERS Ullrich-Turner-Syndrom! JA, und?! 
* Der Veranstalter behält sich vor, das Gewinnspiel anzupassen, zu ändern oder abzubrechen, falls dies notwendig wird. 


Ich wünsche euch viel Glück und Spaß zum Welttag des Buches. 

Blogger schenken Lesefreude 2016




Zum Beginn dieses wunderbaren Tages möchte ich euch wortwörtlich Lesefreude schenken. 

Allzu oft begegnet mir das Vorurteil, dass eine Behinderung immer auch mit einer Minderung der geistigen Fähigkeiten einhergeht. Dem ist nicht so. Pauschal lässt sich auch nicht sagen, ob das Ullrich-Turner-Syndrom eine Behinderung ist oder nicht. Darum geht es heute jedoch nicht. Meine Tochter und ich haben uns eine Kindergeschichte ausgedacht. Ich möchte diesen Bücher-und Lesetag nutzen und dem erst genannten Vorurteil in Bezug auf das UTS ein klares Nein entgegensetzen. Wer Bücher und Geschichten liebt, Ideen hat und Fantasie besitzt, ist mehr als "mäßig geistig behindert"

Nachher folgt noch ein zweiter Post. Dort könnt ihr dann Bücher gewinnen. Klickt euch also wieder her. Und jetzt viel Spaß beim Lesen. 


Die wunderbare Ela-Lina Pilz 

Heute möchte ich euch von einem Mädchen berichten, was mir sehr ans Herz gewachsen ist. Ihr Name ist Ela-Lina Pilz. Sie ist 4 Jahre alt, manchmal auch 8 Jahre. Sie wohnt in einem Tipi, in einem Schloss oder im Schrank in der Paulinestrasse. Wenn ihr euch fragt, wie sie aussieht, dann stellt euch einen Menschen vor - mit einem Kopf und einem Bauch. Ich stelle sie mir immer als Mädchen mit Lockenpracht vor.  

Immer wenn sie das Tipi, das Schloss oder das Haus verlässt, wird sie zur Sachensucherin. Wer mag, kann an das rothaarige Mädchen mit den zwei geflochtenen Zöpfen denken. Sie legt ähnlich professionell ihre Hand über die Augen an die Stirn und schaut sich aufmerksam um. Ela-Lina entdeckt viele Dinge am Wegesrand. Ihr müsst das auch einmal versuchen. 

Neulich erblickte sie  Edelsteine in einer Pfütze. Das war ein großes Glück. Im Kindergarten sitzt nämlich ein Gespenst unter dem Tisch, was mit Gold und Edelsteinen versorgt werden muss. Ein zufriedenes Gespenst kitzelt dann nämlich die Erzieher(in) am Fuß, sodass  gute Laune herrscht. Ela-Lina Pilz versorgt das Gespenst deswegen besonders gerne. Außerdem ist es ihr Freund. Nur den Namen habe ich nicht erfahren. 
Habt ihr eine Idee? Und sagt, gibt es in eurem Kindergarten auch ein kitzelndes Gespenst?
Das wunderbare Mädchen hat viele Freunde. Jede Blume, jeder Strauch und jeder Baum zählt dazu. Sie hält daher mal hier und mal dort einen Plausch. Stellt euch nur die herzlichsten Freundschaften vor und diese Freude, wenn im Frühling lang vermisste Freunde zum Vorschein kommen. Da bedürfen sie vieler Streicheleinheiten. Für ihre Zuneigung bedanken sich die Pflanzen mit Informationen. Und die Gänseblümchen schwärmen immer von Eis. Wisst ihr, Ela-Lina Pilz muss dann auch immer Eis essen, sonst sind die Blumen traurig und das Grün verschwindet. Das muss verhindert werden. 
Die hohen Künste Rechnen, Lesen und Schreiben praktiziert Ela-Lina Pilz nur an manchen Tagen, wenn sie 8 Jahre alt  ist und in die Schule geht. Wenn sie nicht dorthin oder in den Kindergarten geht, hat sie Ideen im Überfluss. Glaubt mir, ihr könntet euch davon bedienen,  wie an Bonbons in einem Laden, weil es so viele sind. 
Stellt euch nur all die Abenteuer vor. 
In einem entlegenen Winkel, gleich hinter ihrem Haus, lebt ein Krokodil. Am Besten jeden Tag muss es bekocht werden. Sonst wäre an Schlaf nicht mehr zu denken. Der Magen des Reptils würde so laut knurren. Es wäre ein ohrenbetäubender Lärm. Da muss Ela-Lina Pilz einschreiten. Doch stellt euch vor, immer wieder wird  sie dabei von Piraten angegriffen und verfolgt. Sie muss sich Wege mit ihrer wichtigen Kost bahnen - über Hängebrücken und steiniges Gelände. Auch Drachen und Wölfe wollen sie ihrer Schätze berauben und stellen sich ihr manches Mal in den Weg.  Doch Ela-Lina Pilz kennt einen Trick. Mit lautem Gesang vertreibt sie jeden Angreifer. 

Wenn ihr also an einem Morgen ein singendes Mädchen seht oder es am Nachmittag im Gebüsch trällert, dann ist das wohl Ela-Lina Pilz. Schaut sie nicht komisch an, singt mit ihr und lacht. 

Freitag, 22. April 2016

Sternenmädchen Pauline

Mein Beitrag im "X-MAL ANDERS Ullrich-Turner-Syndrom! Ja, und?!"-Buch ist betitelt mit "Unendliches Glück". Danach fühlte es sich nämlich an, als wir vor mehr als 4 Jahren ungläubig den positiven Schwangerschaftstest beäugten. Ich erwähnte es hier schon, dass unser Kinderwunsch nicht nach einem oder zwei Zyklen in Erfüllung ging. Wir freuten uns daher sehr. 

Aus dieser Zeit stammt auch der Kosename meiner Tochter. Auf dem Ultraschallgerät war damals eindeutig ein "Krümel" zusehen. Und aus diesem Krümel (viel größer war das Leben in mir zu dem Zeitpunkt auch nicht) wurde unsere Krümelie. Unser Glück wurde getrübt. Die Vorstellung vom gesunden Baby und die (Vor-)Freude ließen wir uns nehmen. Wir ließen es zu, dass Tests und Untersuchungen stattfanden und erhielten eine Diagnose, mit der wir nichts anfangen konnten. Aber Krümelie erblickte das Licht der Welt. Und unser gemeinsames (Familien)Leben konnte beginnen. 

Unser Weg ging und geht im Sonnenschein weiter. Ein anderer Weg führte zu den Sternen. 

Im Netz, in einer Austauschgruppe, lass ich von Alex. Auch sie und ihr Partner mussten damit umgehen, dass mit ihrem Ungeborenen "etwas nicht in Ordnung" ist. Jedoch rückte die Chromosomenanomalie UTS schnell in den Hintergrund. Die werdenden Eltern bangten um das Leben ihres Mädchens. Leider war ihr Glück nicht unendlich. 

Um das Unbegreifliche zu begreifen und um anderen Betroffenen zu helfen, schreibt Alex auf ihrem Blog "Von Pünktchen zu Pauline

Pauline ist leider nicht auf dieser Erde angekommen, aber sie lebt in den Herzen ihrer Eltern. Sehr berührend berichtet Alex von ihre Elternschaft und teilt Erlebnisse, Gedanken und Begebenheiten, die nicht am Ende einer Schwangerschaft sein sollten. 

Ich kann keine tröstenden Worte finden. Wie könnte ich auch? Wir sind ein Stück auf dem selben Weg gegangen. Ich konnte manches Gefühl, manche Sorge nachempfinden. Nun kann ich nur euren Schmerz anerkennen. 

Ich beglückwünsche euch zu eurem wunderbaren ersten Kind und sende Grüße zu den Sternen; zu Pauline. 

Donnerstag, 21. April 2016

Aus dem Alltag

Altbekannte Gegner haben den Sohn und mich angegriffen und belagern den Hals und die Augen. Wir sind beide platt und fertig. Und weil wir uns nicht gut fühlen, knatschen wir und so manche Sache bleibt unerledigt und unerfüllt. Wie ich es hasse etwas wegen Krankheit zu verpassen. 
Bähhh.  

Und dann liegt da dieser friedlich und gleichmäßig atmende kleine Kerl neben mir und die Zeit könnte gefrieren. Der Ausspruch "Sie sehen aus wie Engel, wenn sie schlafen." kommt mir in den Sinn. Wir halten Inne, kuscheln uns zusammen und verlangsamen. 

Auf dem Rückweg vom Arzt nahmen wir den Weg, der am Park vorbei führt. Krümelie liebt diesen Pfad, führt er uns doch an so manchem Blümchen vorbei. 
Heute folgte Krümel dem schwesterlichen Vorbild und begutachtete die Pflanzen. 
So schön war seine Welterkundung zu sehen. Ähnlich feinfühlig und achtsam wie seine Schwester betrachtet er ein Blümchen genauer. Und ich frage mich, wofür wir so viele produzierte Dinge in unserer Welt brauchen? Wo sich doch natürliche Perfektion finden lässt? 
Die kindliche Weltentdeckung ist für mich Zauberzeit. 

Die Anregung kommt von Eva und hier könnt ihr noch mehr lesen. 

Sonntag, 17. April 2016

Lebensbilder statt Krankheitsbild #40 mit Wochenende in Bildern

Nachdem ich vorhin einen Blick hinter unsere Kulissen zum Thema Vereinbarkeit festgehalten habe, zeige ich euch noch ein bisschen von unserem Wochenende. Dieser Post enthält Werbung - keine bezahlte, nur Verlinkungen aus Wertschätzung. 

Kennt ihr das - unter der Woche schlafen die Kinder bis halb acht und am Wochenende stehen sie munter um sechs auf? 


Samstagmorgen, halb sieben, Krümelie macht mir Frühstück
Die Kinder und ich begleiten eine befreundete Familie zu einer Eröffnungsfeier.
Es regnet auf dem Heimweg.
Yeah, tolle Post bekommen.
Und mein Gewinn von kinderbuchlesen.de war auch im Briefkasten.
Meine Freude war groß. Danke, liebe Janet. 
Das ist Krümelie jedoch egal. Sie spielt seelig.
Katrin von Boah-constrickter war nämlich nicht nur für die Eröffnungsfeier fleißig,
sondern auch für meine Kinder. 
Nach dem Mittagsschlaf spielen beide Kinder zufrieden.
Vielen Dank, liebe Katrin für den schönen Vormittag und das tolle Geschenk. 
Die Aussicht...
...lockt uns nach draußen.

Anschließend müssen die Kinder baden.

Sonntagmorgen. Sechs Uhr. 
Frühlingskleid 
Die Kinder verbringen den Tag mit Oma&Opa.
Ich sitze am PC. 
Pärchenzeit
Krümelie und Oma haben Kuchen gebacken.


Als wir von den Großeltern zurück sind, ist es Zeit für's Abendbrot und dann ist auch schon Schlafenszeit. Das Wochenende ist zuende. Mehr Eindrücke gibt es hier bei Susanne. Wie war euer Wochenende? 

Startet gut in die neue Woche!
Anne

Von Familie und Beruf und Vereinbarkeit

Die Vereinbarungkeit von Familie und Beruf bietet von der politischen Ebene bis zur Anekdote viel Gesprächsstoff. 

Im besten Alter - also im besten Arbeitsalter - bekommen Männer und Frauen Kinder. Und weil wir Geld brauchen und/oder im besten Fall unsere Arbeit einfach gerne machen, geben wir uns dem Vereinbarkeitsding hin. Dabei ist es wurscht, ob selbstständig oder in einem Arbeitsverhältnis, manchmal ist es ein Drahtseilakt.

Bei meiner Tochter endete die Elternzeit einen Monat nach dem Kindergartenstart. Das passte. Ich hatte Zeit für die Eingewöhnung, Einnahmen in Aussicht und eine tägliche und zeitweise Trennung tat uns nach dem intensiven ersten Jahr gut. Wir bauten auf "Flügel und Wurzeln". 

Bei meinem Sohn gestaltet es sich anders. Er ist im Winter geboren. Durch den Schulstart (also das Kitaverlassen der neuen Erstklässler) und den Kitajahrwechsel ist der Platz des Sohnes im Kindergarten seiner Schwester erst im August vorhanden. Nun ist es so, dass Krümel und ich "gemeinsam" arbeiten. Ich (und wir, in erster Linie aber ich, weil es meine tägliche Arbeit betrifft) habe die Vor- und Nachteile abgewogen und mich für ein halbes Jahr "Mit-Kind-Arbeit" entschieden.

Die erste Zeit war anstrengend und wirklich eine Umstellung und ließ mich an meiner Entscheidung zweifeln. Unter´m Strich war es aber der Wiedereinstieg nach der Elternzeit, der doppelte Neustart - der Herzmann fing im Januar seine neue Arbeit an - das zwei Mal Beweisen, Kennenlernen und Einarbeiten und Einfinden in den veränderten Alltag, was so kräftezehrend war/ist. Und die Wintervieren machten es nicht besser. 

Zweieinhalb Monate später muss ich sagen, dass ich froh bin, dass der Sohn und ich noch keine Trennung im vollen Umfang haben. Er verbringt Zeit nur mit seinem Papa, mit Papa und Schwester und mit Oma&Opa. Wir haben also beide auch Raum nur für uns. Langsam haben wir auch unseren Rhythmus gefunden. 

Bei Krümelie hätte ich mir diese Situation, dass sie meine Einrichtung besucht, nicht vorstellen können. Mit Krümel fühlt es sich nach dem richtigen Weg an. Ich habe das Glück ihn begleiten zu dürfen. Das Babyjahr erschien mir auch um einiges kürzer. Ich kann den Luxus erleben, dass ich weiß, was mein Sohn im Kindergarten macht bzw. gemacht hat. Ich erlebe ihn in der Gemeinschaft und in Interaktion mit anderen Kindern. Ich kann Entwicklungsschritte begleiten und ihn bei (Spiel-)Aktivitäten beobachten, die ich Zuhause gar nicht wahrgenommen hätte. Wahrscheinlich hätte ich im Privaten nicht die Muße gehabt, weil da ein Wäsche- und/ oder Geschirrberg auf mich gewartet hätte. Das bedeutet jetzt nicht, dass ich nur mein Kind in der Gruppe sehe, ganz im Gegenteil beim Anziehen zum Beispiel ist er fast immer der Letzte. Er hat ebenso einen Eingewöhnungsprozess durchlaufen und ist ein Teil des Ganzen. 
Außerdem ist mein Sohn noch nicht in dem Alter, wo er mich als Mutter als Autorität nutzt ala "Meine Mama hat aber gesagt, dass...". 

Grade genieße ich die Mischung aus Distanz und Nähe. 

Öfters werde ich wegen der Wegstrecke bedauert. Länger (wegen des Kinderwagens und der Fahrstuhlnutzung) und ohne Erholung sei wohl der gemeinsame Arbeitsweg, wird immer mitleidig bemerkt.
Doch ich habe auf dem Weg zur Arbeit und auf dem Rückweg noch nie so viel gelacht. Besonders montags in der Früh ist es von Vorteil in angenehmer Gesellschaft direkt zur Arbeit zu fahren. Krümelie wird übrigens von Papa gebracht. 

Auch das ist Teil unserer Vereinbarkeit. Wir Eltern teilen uns auf und jeder bringt, holt und kümmert sich um ein Kind. Natürlich nicht immer und es gibt Punkte, wo wir uns organisieren und die Situation anders gestalten. Manchmal fehlt mir meine Tochter. Aber wir haben die gemeinsame Vorlesezeit am Abend und jeden Tag erzählt mir Krümelie, wie ihr Tag war. Mal mit mehr, mal mit weniger Fantasie. Sie erkundigt sich auch nach meinen Erlebnissen. Spannend wird es, wenn sie mir erzählt, was ich erlebt haben soll. 

Am Ende dieser Gedanken steht die Feststellung, dass es zur Zeit nur Wochenende und Arbeit gibt. Ich muss gestehen, dass sich die 5 Tage Arbeit manchmal anfühlen wie - ganz dramatisch dargestellt - 5 Jahre. Die 2 Tage Wochenende vergehen innerhalb von 5 Stunden. 

Außerdem ... wenn wir mal ehrlich sind, müssen wir viel mehr als "nur" Familie und Beruf unter einen Hut bekommen. Viele liebe Freundinnen fehlen mir, ebenso wie das gemeinsame Lachen mit dem Herzmann. Vom Chaos in der Wohnung fange ich gar nicht erst an. Manchmal suche ich Elan für alles... nur der Wunsch nach Schlaf herrscht dann vor. 

Da wären dann noch 23 angefangene Posts. 23 Ideen, Überlegungen, Herzensangelegenheiten, die nicht nebenbei vom Handy aus fertiggestellt werden (können). Sie laufen nicht weg. Die Meisten davon verlieren auch nicht ihre Bedeutung (Thema Schwerbehindertenausweis zum Beispiel). Aber sie erfordern mehr Konzentration und Zeit meinerseits. Das nervt mich wirklich. 

Ich lese und klicke mich durch's www. Hier und da lass ich von Blogs, welche in der Schwangerschaft entstanden und nach der Elternzeit - aus Zeitmangel, was ich sehr gut verstehe - nur noch stiefmütterlich mit Inhalt gefüllt wurden oder gar nicht mehr. Werde ich einen davon haben/ gehabt haben?

Ich schreibe hier, weil ich es mag. Der Inhalt meines Kopfes kann an einen Ort fließen, den ich gestalte. Der Blog dient darüber hinaus doch mehreren Anliegen. Er steht dem Buch zur Seite und trägt - schon allein mit dem Titel - dazu bei das Syndrom bekannter und insgesamt menschlicher zu machen. Ich will das nicht aufgeben. 

Herzlichen Dank, dass ihr hier (und bei Facebook) lest. Ich kann es nicht oft genug betonen. 

Nun frage ich mich, wie all die Familien und Powermenschen das hinbekommen??? Keiner Arbeit nachgehen, ist auch keine Option. Zumal ich meinen Beruf wirklich gerne mache. Wie viel Zeit werde ich brauchen, um alle Lebensbereiche und Bedürfnisse in Balance zu bekommen? Und dabei noch gut aussehen....

Verratet mir eure Geheimnisse? Wie gestaltet ihr die Vereinbarkeit von Familie, Privatleben und Beruf?