Dienstag, 3. Mai 2016

Zur Aktion #Muttertagswunsch

Blumen, Pralinen, herzige Karten - nicht ganz so romantisch, aber ähnlich kitschig und teilweise aufdringlich werden wir daran erinnert, dass am Sonntag "Muttertag" ist. Gleichzeitig werden uns Bier, Bollerwagen, Fleisch und Schokolade als Vatertagsfreuden präsentiert. 
Bastelfreudeanregungen und leckere Kuchenrezepte gesellen sich zu Geschenkideen wie "Frühstück ans Bett" und "Zimmer aufräumen"-Gutschein. Die Bewerbung des Mutter-/Vatertages führt hier und da zu leichtem Stöhnen. Schließlich sind wir das ganze Jahr Mütter und Väter. Warum also müssen zwei Tage gehypt werden? 
Über liebe Worte, bedachte Gesten und kleine Aufmerksamkeiten oder (selbstgemachte) Geschenke würden wir uns freuen, weil wir unsere Kinder lieben. 
Eben sie haben uns zu dem gemacht, was wir sind - Eltern, Mütter und Väter. Doch was wünschen wir uns (wirklich)?

Wir laden alle Mütter und Väter dazu ein, ihre politischen und gesellschaftlichen Wünsche aufzuschreiben! 

Mutterseelesonnig formuliert gemeinsam mit Christine Finke vom Blog Mama-arbeitet und dem Projekt family unplugged diesen Aufruf. 

Und auch ich habe einen 
 #MUTTERTAGSWUNSCH.
Vielmehr habe ich 4 Muttertagswünsche: 

Statt überall Herzchen will ich, dass der kassenfinanzierten pränatalen Selektion ein Riegel vorgeschoben wird!


Mit meiner kritischen Sicht auf die vorgeburtlichen Untersuchungen und meiner ablehnenden Haltung den "Nicht Invasiven Pränatalen Tests" gegenüber, bin ich nicht alleine. Das Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik genauso wie das Gen-ethische Netzwerk  sind die öffentliche Gegenstimme. 

Dr. Jens Pagels, Chefarzt am St. Josef Krankenhaus Moers, erläuterte HIER:    
Mit steigender Anzahl der genetischen Untersuchungen steigt zwangsläufig auch die Anzahl der festgestellten krankhaften Befunde. Die Diagnose einer Chromosomenstörung führt aber zu Ängsten, eventuell auch zu Panik. Denkbar ist auch, dass ein unklarer Befund zu selben Ängsten führt. Die Einflussnahme durch den Partner und das soziale Umfeld erhöht außerdem den psychischen Druck. Es fehlt in der speziellen Situation oftmals noch die Anbindung an professionelle Berater, die substanzielle Hilfe anbieten können. Der Zeitdruck nimmt obendrein zu, denn die Tür zum vermeintlich einzigen Ausweg, dem Schwangerschaftsabbruch in der Frist könnte sich schließen. Insofern ist natürlich auch nachvollziehbar, dass der Weg des geringsten Widerstandes gewählt wird und die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch fällt. Wenn dies der Fall wäre, würde wahrscheinlich kaum ein Kind mit einem Ullrich-Turner-Syndrom oder einer Trisomie 21 die eigene Geburt erleben. NIPT könnten damit grundsätzlich, wenn diese zu einem flächendeckenden Einsatz kommen, zu einem Instrument der Selektion werden. 
Und das stellt die Existenz meiner Tochter in Frage, die mich zur Mutter machte. 



Statt Blumen wünsche ich mir, dass ich bei einem möglichen dritten Kind und meine Kinder in Zukunft mit Hebammenbetreuung "guter Hoffnung" sein können. 

Ich möchte sowohl in der Schwangerschaft als auch bei der Geburt und danach eine "gute Seele" an meiner Seite wissen. Keine Frau die am Hungertuch nagt und Existenzängste hat. Oder einfach gar nicht da ist. 
Nach zwei Kinder habe ich vielleicht keine Fragen mehr zum Stillen oder einem wunden Po. Aber es wird andere Dinge geben, die mich beschäftigen werden. Davon bin ich überzeugt. 

Statt Gebasteltem wünsche ich mir einen neuen Spielplatz. 
Das Klettergerüst mit Rutsche, Hängebrücke und Schaukel wurde kommentar- und ersatzlos entfernt. UND NUN? 

Statt Bollerwagen sollte es eine Teilhabe geben, die nicht auf zwei Jahre befristet ist. 


Ich verstehe, dass körperliche und geistige Gesundheit für eine Erwerbstätigkeit von Vorteil ist. Ich verstehe, dass ein Schwerbehindertenausweis daraufhin deutet, dass jener "gute" und damit produktive und gewinnbringende Gesundheitszustand gefährdet ist. 
Aber warum kann keine Rücksicht ohne Hintergedanken (ohne Vertragsbefristung) genommen werden? Ich denke, wir - also Politik und Gesellschaft - setzten auf Gleichberechtigung, Teilhabe und Chancengleichheit. Doch Unternehmen nehmen lieber eine Geldbuße in Kauf als einen Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis einzustellen. Wie kann das sein?  

Was wünscht ihr euch? 

Eine Menge an Wünschen sind im Netz unter dem Hashtag #muttertagswunsch zufinden. 

Was bewegt Mütter und Väter? Was brauchen Familien in Deutschland? Was kritisieren Sie? Wo gibt es Potenzial? Wo muss sich etwas ändern? 
Wie gestaltet sich die Lebenssituation der nächsten Generation? Die Zukunft beginnt jetzt. Und im Jetzt sollte sich einiges ändern. 

Die (verschiedenen) Wünsche zeigen ein Meinungsbild und gleichzeitig wie politisch relevant Elternblogs sind. 

Was denkt ihr? 
Anne 

Kommentare:

  1. Hallo liebe Anne, ich hätte auch so einige Muttertagswünsche zum Beispiel das Alleinerziehende Mütter (natürlich auch Väter) das Recht haben für Ihre Kinder ein Sparkonto an zu legen. Weil ich bin selber schon oft genug in den Genuss gekommen zu hören ohne das andere Elternteil kein Konto wie kann sowas sein Frage ich mich. Der Vater nicht auf zu finden trotzdem geht es nicht das ich alleine Bürge und mein Kind die Vorteile genießen kann?? Das ist nur ein Beispiel von vielen leider bei Alleinerziehenden. Ich wünsche mir einfach das mehr Flexibilität bei Alleinerziehenden vorhanden ist, es ist schon schwer genug allein mit Kindern warum also immer noch extra Steine in den Weg gelegt bekommen. Ich wünsche allen Müttern einen wundervollen Muttertag mit lieben Grüßen Annika

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    1. Liebe Annika,
      dieses Gefühl doppelte Last und Verantwortung zu tragen und es nochmal schwerer zu haben bei eigentlich leichten Dingen (wie der Eröffnung eines Sparkontons fürs Kind) ist scheiße.

      Ich weiß, dass du eine ganz wunderbar Mama bist. Und du machst bei deinen Töchtern und deinem Sohn einen super Job!

      Fühl dich bitte wergeschätzt und klopf dir selbst auf die Schulter.
      Liebe Grüße Anne

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